Seit 2011
Von der Strategie in die Praxis: Förderung der Dekarbonisierung in Kasachstan
- Gebäude sind für Kasachstans Dekarbonisierungsbemühungen von entscheidender Bedeutung: Auf sie entfällt mehr als ein Drittel des Endenergieverbrauchs, während veraltete Dämmungen und kohlebasierte Heizungen die Emissionen weiterhin in die Höhe treiben.
- Der Wohnungs- und Versorgungssektor wurde als strategische Priorität festgelegt und als wesentliche Triebfeder für die nachhaltige Entwicklung anerkannt.
- Im Rahmen des Energiedialogs wurde ein strategischer Fahrplan für die Dekarbonisierung des Gebäudesektors erarbeitet, in dem der Weg zur Senkung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen klar aufgezeigt wird.
- Die Kompetenzentwicklung auf kommunaler Ebene unterstützte die Durchführung und gipfelte in der Zusage des Stadtrates von Astana, einen eigenen Modernisierungsplan zu erarbeiten.
Energiesicherheit
Dekarbonisierung
Außenwirtschaftsförderung
Main Text Einen Plan für die Modernisierung von Gebäuden auf den Weg bringen
In Kasachstan entfällt mehr als ein Drittel des Endenergieverbrauchs auf Gebäude. Schlechte Dämmungen aus Sowjetzeiten und lange Heizperioden haben einen hohen Bedarf an Heizenergie zur Folge, der nahezu ausschließlich mit Kohle gedeckt wird. Daher misst die Regierung dem Wohnungs- und Versorgungssektor vorrangige Bedeutung bei und betrachtet ihn als maßgeblichen Faktor der nachhaltigen Entwicklung.
Auf Ersuchen des Partnerministeriums entwickelte der Energiedialog einen Fahrplan für die Dekarbonisierung des Gebäudesektors – ein strategisches, politikorientiertes Dokument, in dem der Weg zur Senkung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen klar aufgezeigt wird. Um die Durchführung vor Ort zu unterstützen, wurden fünf Online-Schulungen für kommunale Entscheidungsträger*innen durchgeführt. Diese Anstrengungen führten zu einem wichtigen Ergebnis: Der Stadtrat von Astana sagte zu, 2026 auf der Grundlage des Fahrplans einen eigenen Modernisierungsplan zu erarbeiten und zu finanzieren.
Die Transformation vorantreiben: Aufbau der kasachischen Wasserstoffwirtschaft
Im Jahr 2025 vollzog Kasachstan den Schritt von Klimazielen zu einem konkreten Fahrplan, um die CO2-Emissionen zu senken, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und eine Wasserstoffwirtschaft mit Potenzial für künftige Ausfuhren aufzubauen.
Zu den wichtigsten Fortschritten, die mit Unterstützung des Energiedialogs erzielt wurden, zählten die Verabschiedung eines Gesetzes über alternative Energiequellen, die Schaffung eines regulatorischen Rahmens für kohlenstoffarme Technologien und die Überarbeitung des Nationalen Wasserstoffkonzepts (National Hydrogen Concept, NHC). Darüber hinaus unterstützte der Dialog gemeinsam mit der Deutsch-Kasachischen Industrie- und Handelskammer (AHK Zentralasien) eine Initiativgruppe Wasserstoff, die Außenwirtschaftspotenzial für deutsche Unternehmen in Bereichen wie Elektrolysetechnologie, Integration erneuerbarer Energie, Wasserstofftransport und ‑speicherung, industrielle Anwendungen und Zertifizierungsstandards ermittelte.
Die aktualisierte Fassung des nationalen Wasserstoffkonzepts wurde in einem systematischeren und stärker auf die Durchführung ausgerichteten Verfahren erarbeitet als seine Vorläufer, wobei Beiträge aus der Industrie und der Regierung sowie von internationalen Partnern einbezogen wurden. Der Energiedialog beteiligte sich an ministeriellen Arbeitsgruppen und leistete gezielte Beiträge zu internationalen Best Practices, zur Entwicklung der (ausländischen und inländischen) Abnahmemärkte, zum Wasserressourcenmanagement und zu Umweltvorschriften.
Unsere Publikationen:
- Case Study: Kazakhstan on the Way to Hydrogen Ramp-up (Fallstudie: Kasachstan auf dem Weg zum Hochlauf des Wasserstoffmarktes; in Zusammenarbeit mit dem Projekt H2-diplo der GIZ)
- The EU’s Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM): Potential Impact on Kazakhstan’s Economy (Das CO2-Grenzausgleichssystem der Europäischen Union: mögliche Auswirkungen auf die kasachische Wirtschaft)
- Biogas in Kazakhstan: Overview of Potentials, Technologies and the Regulatory Framework for the Construction and Operation of Biogas Plants (Biogas in Kasachstan: Überblick über die Potenziale, die Technologien und den regulatorischen Rahmen für den Bau und Betrieb von Biogasanlagen)
Auf einen Blick
1. Was haben die Partnerschaftsaktivitäten konkret bewirkt?
- Der Stadtrat von Astana sagte zu, auf der Grundlage des Fahrplans für die Dekarbonisierung des Gebäudesektors, der im Rahmen des Energiedialogs abgefasst wurde, einen Plan für die Modernisierung von Gebäuden zu erarbeiten.
- Das Wohnungsbauunternehmen Kazakhstan Housing Company, der größte Entwicklungsfinanzierer des Landes für die Durchführung der Wohnungspolitik, traf eine Investitionsentscheidung über die Einrichtung eines Projektbüros. Dieses Büro wurde vom Energiedialog initiiert und wird als institutionelle Plattform für die Koordination und Skalierung von Maßnahmen für die Modernisierung von Gebäuden dienen.
- Die Kazakhstan Housing Company beschloss darüber hinaus, das digitale Tool des Energiedialogs – die „Energy Efficiency Interactive Map“ (Interaktive Karte der Energieeffizienz) – in das nationale System für die Visualisierung der territorialen Entwicklung einzubinden.
- Weiter unterstützt wurde die institutionelle Stärkung durch gezielte Beiträge des Energiedialogs zu wesentlichen Abschnitten des neuen nationalen Wasserstoffkonzepts, insbesondere in Bezug auf internationale Best Practices, die Entwicklung der (ausländischen und inländischen) Abnahmemärkte, das Wasserressourcenmanagement und die Umweltvorschriften.
2. Welche Themenbereiche waren besonders relevant?
- Modernisierung des Wohnungs- und Versorgungssektors als Reaktion auf hohe Energieverluste und den erheblichen Verschleiß der Ausstattung.
- Ausgleich und Digitalisierung der Netze (Entwicklung intelligenter Stromnetze).
- Hochlauf des Wasserstoffmarktes und Aktualisierung des nationalen Wasserstoffkonzepts.
- Dekarbonisierung von Industriezweigen, insbesondere von exportorientierten Branchen (einschließlich der Evaluierung der nachteiligen Auswirkungen des CO2-Grenzausgleichssystems (Carbon Border Adjustment Mechanism, CBAM) der Europäischen Union).
- Einrichtung einer nationalen Plattform der Partnerschaft für eine gerechte Energiewende (Just Energy Transition Partnership, JETP) als Finanzierungsmechanismus für die Mobilisierung und Koordination der Finanzmittel für Dekarbonisierungsprojekte.
3. Was waren die größten Herausforderungen bei der Umsetzung der Aktivitäten und wie wurden sie gelöst?
- In Kasachstan gibt es keinen systematischen Ansatz für die Durchführung politischer Maßnahmen – insbesondere nicht in Bezug auf die Energieeffizienz von Gebäuden und die Entwicklung von Wasserstoff.
Um diese Lücke zu schließen, wurden die folgenden Maßnahmen ergriffen:
- Entwicklung des Fahrplans für die Dekarbonisierung des Gebäudesektors und seine Vorstellung bei Entscheidungsträger*innen der zuständigen Ministerien und Stadtverwaltungen.
- Unterstützung der Einrichtung eines Projektbüros als institutionellen Mechanismus, der einen systematischen und koordinierten Ansatz für die Durchführung politischer Maßnahmen zur Förderung der Energieeffizienz von Gebäuden gewährleistet.
- Beratende Unterstützung bei der Erarbeitung der aktualisierten Fassung des nationalen Wasserstoffkonzepts Kasachstans.
- Beratende Unterstützung bei der Einrichtung der Struktur der Plattform der Partnerschaft für eine gerechte Energiewende.
- Bedarf im Bereich Kompetenzentwicklung: Als Reaktion auf Anfragen kasachischer Partner im Rahmen des Energiedialogs wurden mehrere analytische Studien sowie Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung erarbeitet und vorgelegt, um das Fachwissen und die institutionelle Kapazität zu stärken:
- „Case Study: Kazakhstan on the Way to Hydrogen Ramp-up“ (Fallstudie: Kasachstan auf dem Weg zum Hochlauf des Wasserstoffmarktes; in Zusammenarbeit mit dem Projekt H2-diplo)
- „A Benchmarking Analysis on Energy Intensity Profiles in Kazakhstan and Germany – The Case for the Iron and Steel Industry“ (Benchmarking-Analyse der Profile der Energieintensität in Kasachstan und Deutschland für die Eisen- und Stahlindustrie)
- „The EU’s Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM): Potential Impact on Kazakhstan’s Economy“ (Das CO2-Grenzausgleichssystem der Europäischen Union: mögliche Auswirkungen auf die kasachische Wirtschaft)
- „Biogas in Kazakhstan: Overview of Potentials, Technologies and the Regulatory Framework for the Construction and Operation of Biogas Plants“ (Biogas in Kasachstan: Überblick über die Potenziale, die Technologien und den regulatorischen Rahmen für den Bau und Betrieb von Biogasanlagen)
- Es wurden fünf gezielte Online-Schulungen für kommunale Entscheidungsträger*innen durchgeführt, um die Grundsätze und Ansätze des Fahrplans für die Dekarbonisierung des Gebäudesektors vorzustellen.
4. Wie haben die Aktivitäten auf die übergreifenden Zielen – Energiesicherheit, Dekarbonisierung und Außenhandelsförderung – eingezahlt?
Energiesicherheit:
Der Dialog beriet die kasachische Regierung bei der Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für den Export von grünem Wasserstoff und seinen Derivaten. Insbesondere bot die Fallstudie über Kasachstan auf dem Weg zum Hochlauf des Wasserstoffmarktes strategische Leitlinien für die Entwicklung einer Markt- und Exportinfrastruktur für Wasserstoff.
Dekarbonisierung:
Der Energiedialog beriet die kasachische Regierung zudem bei der Schaffung günstiger Rahmenbedingungen und eines systematischen Ansatzes für:
- die Entwicklung des Wasserstoffmarktes (Beitrag zum nationalen Wasserstoffkonzept)
- die sektorale Dekarbonisierung (insbesondere Eisen- und Stahlindustrie)
- die Dekarbonisierung des Gebäudesektors (Erarbeitung eines Fahrplans)
Außenwirtschaftsförderung:
- In Zusammenarbeit mit der AHK Zentralasien wurden vier Treffen der Initiativgruppe Wasserstoff organisiert, um die gezielte Einbindung deutscher Unternehmen zu erleichtern und konkrete Projekte und Investitionsmaßnahmen im Bereich Wasserstoff zu unterstützen.
- Am 25. September 2025 organisierte der Energiedialog im Rahmen des 27. Tages der deutschen Wirtschaft in Kasachstan (Almaty) eine hochrangige Podiumsdiskussion über Investitionsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen im Zusammenhang mit der Energiewende in Zentralasien.
5. Welche Aktivitäten sind für 2026 geplant?
- Online-Meetings der Initiativgruppe Wasserstoff (in Zusammenarbeit mit der AHK Zentralasien). Thematischer Schwerpunkt: Industrielle Anwendungen (Raffinerien), Projekte für Infrastrukturen und grüne Energiekorridore, Mobilität und Speicherlösungen.
- 18. bis 22. Mai 2026: Studienreise nach Berlin zum Thema Energieeffizienz im Gebäudesektor für kasachische politische Entscheidungsträger*innen und Wirtschaftsvertreter*innen. Schwerpunkte: regulatorische Rahmen, Finanzierungsinstrumente und Marktzugang für energieeffiziente Gebäudetechnik; organisiert im Zusammenhang mit dem Modernisierungsplan der Stadt Astana in Zusammenarbeit mit dem Projekt Felicity II.
- Webinar zur CBAM- und CO2-Berichterstattung mit deutschen und europäischen Expert*innen, an dem kasachische Unternehmen und Behörden teilnehmen werden.
- Online-Austausch zwischen deutschen und kasachischen Eisen- und Stahlunternehmen, einschließlich einer Präsentation der einschlägigen Studie des Energiedialogs.
- Online-Austausch zwischen deutschen Expert*innen und Stakeholdern aus Zentralasien zum Thema Energieeffizienz von Rechenzentren.