Seit 2012
Türkische und deutsche Expertise für eine kohlenstoffarme Wärmeversorgung bündeln
- Mit 1,7 Gigawatt installierter Kapazität und Hochtemperatur-Ressourcen ist die Türkei im Bereich der Geothermie weltweit führend. Daher können hier wertvolle Erkenntnisse für Deutschlands Wärmewende gewonnen werden.
- Die Studienreise nach Izmir ermöglichte einen direkten fachlichen Austausch zwischen Ministerien, Industrieverbänden, Forschungseinrichtungen und Betreibern.
- Die Teilnehmenden aus Deutschland erweiterten bei Werksführungen und Gesprächen mit türkischen Expert*innen ihr praktisches Fachwissen über betriebliche Abläufe, das Ressourcenmanagement und die Marktbedingungen.
- Das Programm brachte konkrete Ergebnisse hervor, darunter neue Geschäftskontakte und eine fortlaufende beratende Unterstützung bei bestimmten Projekten.
- Deutschlands effiziente Fernwärmesysteme und der breit angelegte Ausbau der Geothermie in der Türkei ergänzen einander und schaffen so ein enormes Potenzial für die fortgesetzte bilaterale Zusammenarbeit.
Energiesicherheit
Dekarbonisierung
Außenwirtschaftsförderung
Main Text Die Erfahrung der Türkei im Bereich der Geothermie kann Deutschland zugutekommen
Die enge Zusammenarbeit im Bereich der innovativen, kohlenstoffarmen Wärmeversorgung ist nur einer der Erfolge der Energiepartnerschaft, die beiden Ländern zugutekommen.
Die Türkei ist einer der weltweit führenden Geothermie-Märkte und verfügt nicht nur über 1,7 Gigawatt installierter Kapazität, sondern auch über jahrzehntelange Erfahrung in den unterschiedlichsten Anwendungen – von der Stromerzeugung über Fernwärme bis hin zu Landwirtschaft, Tourismus und Industrie. In der Provinz Aydın erreichen die geothermischen Ressourcen Temperaturen von bis zu 300 Grad Celsius und ermöglichen damit eine Nutzung in großem Maßstab. Diese Erfahrung kann sich für Deutschland als wertvoll erweisen, da sie hilfreiche Erkenntnisse für die laufende Wärmewende ermöglicht.
Vom Dialog zur Praxis
Im September 2025 organisierte die Deutsch-Türkische Partnerschaft in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Energie und natürliche Ressourcen der Republik Türkei einen Fachaustausch und eine Studienreise nach Izmir und in die umliegenden Regionen. Das Programm führte ein umfassendes Branchennetzwerk zusammen, darunter den türkischen Verband der Geothermie-Investoren (Jeotermal Elektrik Santral Yatırımcıları Derneği, JESDER), den Geothermie-Verband (Jeotermal Enerji Derneği, JED), das Technologieinstitut Izmir (İzmir Yüksek Teknoloji Enstitüsü, IYTE) sowie den Energieversorger İzmir Jeotermal AS.
Die Teilnehmenden besuchten Geothermiekraftwerke, Fernwärmeanlagen, Gewächshäuser sowie Forschungslabors und hatten dabei Gelegenheit zu einem direkten fachlichen Austausch über betriebliche Abläufe, das Ressourcenmanagement und die Marktbedingungen.
Ergebnisse und Wirkung
Der Fachaustausch und die Studienreise gaben den deutschen Teilnehmenden die Möglichkeit zu vertiefenden Gesprächen mit türkischen Betreibern, Wissenschaftler*innen und Branchenführern, bei denen fachliche Fragen angesprochen und Geschäftsbeziehungen für die künftige Zusammenarbeit aufgebaut wurden. Dieser Austausch mündete in Sondierungsgespräche über Handels- und Technologiepartnerschaften: Inzwischen (2026) berät eine türkische Fachkraft für Geothermie ein städtisches Versorgungsunternehmen in Deutschland zum Ausbau der Tiefengeothermie, während ein deutsches Unternehmen intensive Gespräche mit zwei türkischen Betrieben aufgenommen hat. Zudem regten mehrere Teilnehmende weiterführende Gespräche mit potenziellen Partnern an, und es ist geplant, diese Dialoge bei der GeoTHERM 2026 in Offenburg fortzuführen.
Ausblick
Deutschlands Expertise im Bereich der effizienten Fernwärme und die erwiesene Erfahrung der Türkei im breit angelegten Ausbau der Geothermie bieten eine solide Grundlage für die künftige Zusammenarbeit. Um diese Partnerschaft zu vertiefen, sind für 2026 weitere Besuche in Deutschland geplant, die unmittelbar auf der Studienreise nach Izmir und einem Austausch aufbauen, der im Jahr 2024 in Landau in der Pfalz und Karlsruhe stattfand. Dieser Ansatz zielt darauf ab, für Kontinuität zu sorgen und langfristig eine möglichst große Wirkung zu erzielen.
Hand in Hand mit der Privatwirtschaft arbeiten
In diesem Video erläutert Dr. Phillipp Ulbrich, Finanzvorstand bei Enerjisa Energy, wie die Partnerschaft gemeinsam mit Unternehmen daran arbeitet, die Energiewende voranzutreiben.
Auf einen Blick
1. Was haben die Partnerschaftsaktivitäten konkret bewirkt?
Geothermie:
Die Veröffentlichung einer Studie über geothermisches Kühlen, die mehr als 40 führenden Expert*innen aus der türkischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vorgelegt wurde, erweiterte die Wissensbasis in beiden Ländern und gab den Anstoß zu einem fachlichen Austausch.
Agri-Photovoltaik:
Die hohe Zahl der Registrierungen für das Agri-Photovoltaik-Webinar lässt ein großes Interesse der Stakeholder erkennen. Das in diesem Zusammenhang erarbeitete Politikpapier bot eine praktische Richtschnur für den weiteren Ausbau in Deutschland und der Türkei.
Konzentrierte Solarenergie (Concentrated Solar Power, CSP):
In zwei Analysen des Potenzials für die Nutzung konzentrierter Solarenergie an Produktionsstandorten der Lebensmittelindustrie wurden konkrete Fahrpläne für die Dekarbonisierung festgelegt. Zudem wurde das internationale Expert*innennetzwerk für Solarthermie durch die Aufnahme neuer Mitglieder in den Beirat erweitert.
E-Mobilität:
Die Workshopreihe, die Podiumsdiskussion und das anschließend vorgelegte Politikpapier zur Ladeinfrastruktur boten eine strukturierte und breit abgestimmte Analyse der Hindernisse und Lösungen. Sie wurde weithin verbreitet und floss unmittelbar in den strategischen Ansatz der Türkei für die Skalierung der Infrastruktur für die E-Mobilität ein.
Netze:
Eine hochrangige Podiumsdiskussion bei der Energy Is Future (EIF) brachte die Ergebnisse der 2024 durchgeführten Studie zur Netzmodellierung in den Stakeholder-Dialog ein. Darüber hinaus bedeuteten die Konzipierung und Umsetzung eines Peer-to-Peer-Digitalisierungswettbewerbs zwischen einem türkischen Verteilernetzbetreiber und einem deutschen Unternehmen den Übergang zur konkreten Durchführung. Im Jahr 2026 wurde in einem ersten Schritt der türkische Verteilernetzbetreiber ausgewählt.
Grüner Wasserstoff:
Der Austausch über regulatorische und geschäftliche Best Practices während eines Delegationsbesuchs in Nordrhein-Westfalen vertiefte die bilateralen Beziehungen im Bereich Wasserstoff. Die Studie über das Verkehrswesen bot strategische Leitlinien für die Taskforce für grünen Wasserstoff und fließt nun in den Arbeitsplan 2026 ein, der auch die Durchführung einer Analyse der Hafeninfrastruktur vorsieht.
Energieeffizienz:
Die Delegationsreise eines Energiedienstleisters nach Nordrhein-Westfalen gab Gelegenheit zu konkreten Gesprächen über mögliche gemeinsame Projekte türkischer Energiedienstleister und deutscher Industriebetriebe für die Vergabe von Energieleistungsverträgen und damit zur Überführung des Dialogs in eine praktische Zusammenarbeit.
2. Welche Themenbereiche waren besonders relevant?
Im Jahr 2025 standen die Außenwirtschaftsförderung und die Energiesicherheit im Fokus. Ein weiterer Schwerpunktbereich war die Stärkung der Netzflexibilität als maßgebliche Triebfeder der Energiewende.
Für die Türkei war die Außenwirtschaftsförderung unverzichtbar, um Anreize für Investitionen zu setzen, die industrielle Wertschöpfung auszuweiten und innovative Technologien in ihren wachstumsstarken Energiemarkt zu integrieren. In Sektoren wie Geothermie, grüner Wasserstoff, E-Mobilität, konzentrierte Solarenergie und Agri-Photovoltaik kam die Zusammenarbeit mit deutschen Partnern dem Technologietransfer, dem Aufbau lokaler Kapazitäten und dem Zugang zu internationalen Märkten zugute. Die Deutsch-Türkische Energiepartnerschaft führte Potenzialanalysen durch und erleichterte den direkten Austausch bei Messen, Konferenzen und Delegationsbesuchen. Damit führte sie Unternehmen zusammen und unterstützte die Entwicklung von konkreten Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Marktchancen.
Angesichts der geopolitischen Unwägbarkeiten und der anhaltenden Notwendigkeit, die Abhängigkeit von Einfuhren fossiler Brennstoffe zu verringern, stellte die Energiesicherheit weiterhin eine Priorität dar. Daher lag der Schwerpunkt der Aktivitäten auf der Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien, der Stärkung der Kapazitäten im Bereich der Energieeffizienz und der Förderung von Wasserstoff als Energieträger der Zukunft. Eng damit verbunden war die Netzflexibilität: Aufgrund des steigenden Anteils erneuerbarer Energien waren moderne Verteilernetze, Digitalisierung und geeignete Tarifstrukturen von maßgeblicher Bedeutung, um Systemstabilität, Erschwinglichkeit und langfristige Resilienz zu gewährleisten.
3. Wie haben die Aktivitäten auf die übergreifenden Zielen – Energiesicherheit, Dekarbonisierung und Außenhandelsförderung – eingezahlt?
- Geothermie:
Die Studienreise nach Izmir trug zur Außenwirtschaftsförderung bei, indem sie Business-to-Business-Kontakte und Sondierungsgespräche über Partnerschaften ermöglichte. Zugleich trug die fortgesetzte Beratung eines deutschen städtischen Versorgungsunternehmens durch eine türkische Fachkraft unmittelbar zur Energiesicherheit bei, indem sie den Ausbau der inländischen erneuerbaren Wärmeenergie ermöglichte. - Konzentrierte Solarenergie:
Die Vorstellung der Analysen des Potenzials für konzentrierte Solarenergie machte auf die technologischen Optionen für die Dekarbonisierung der Industrie aufmerksam und unterstützte fundierte Entscheidungen über Investitionen in Lösungen für eine kohlenstoffarme Wärmeversorgung. - Netze:
Der Digitalisierungswettbewerb für Verteilernetzbetreiber führte zu Fortschritten bei allen drei übergeordneten Zielen: Digitale Netze stärkten die Versorgungssicherheit, indem sie Ausfälle verringerten, die Flexibilität verbesserten und damit die Integration höherer Anteile erneuerbarer Energien ermöglichten sowie die deutschen Netztechnologien in einem Peer-to-Peer-Format für die Durchführung förderten. - Agri-Photovoltaik:
Die Deutsch-Türkische Energiepartnerschaft förderte den fachlichen Austausch über Agri-Photovoltaik und unterstützte damit den Ausbau der dezentralen Erzeugung von Solarenergie. Damit trug sie zur Dekarbonisierung und zur Resilienz der lokalen Energiesysteme bei und eröffnete Möglichkeiten für die Entwicklung grenzübergreifender Vorhaben. - E-Mobilität:
Eine Stakeholder-Erhebung, Fachworkshops und ein Politikpapier brachten konkrete Empfehlungen für das flexible Laden und das Lastmanagement hervor, die die Integration erneuerbarer Energien, die Netzstabilität und die Dekarbonisierung des Verkehrs unterstützen. Der intensive Austausch über Standards, Geschäftsmodelle und Lieferketten stärkte zudem die bilaterale wirtschaftliche Zusammenarbeit im Bereich der E-Mobilität. - Energieeffizienz:
Die Delegation des Energiedienstleisters ermöglichte eine konkrete Zusammenarbeit zwischen türkischen und deutschen Unternehmen. Damit gab sie Impulse für potenzielle Projekte für die Vergabe von Energieleistungsverträgen zur Senkung des Energieverbrauchs und der Emissionen und stärkte zugleich die bilateralen Handelsbeziehungen. - Grüner Wasserstoff:
Die Studie über das Verkehrswesen und die Aktivitäten der Delegation unterstützten die Diversifizierung künftiger Wasserstoffeinfuhren und stärkten die bilaterale Zusammenarbeit. Damit trugen sie zur langfristigen Energiesicherheit und zur Entwicklung eines nachhaltigen Wasserstoffmarktes bei.
4. Welche Aktivitäten sind für 2026 geplant?
- Im Januar 2026 unternahmen das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) und das Auswärtige Amt (AA) eine Delegationsreise nach Ankara zu Gesprächen mit maßgeblichen Stakeholdern aus Politik, Wirtschaft und Finanzwesen.
- Am 17. März 2026 stellte eine Delegation von acht türkischen Start‑ups ihre Unternehmen beim SET Tech Festival in Berlin vor.
- Am 26. Februar 2026 wurden die Ergebnisse der Studie über geothermisches Kühlen bei der GeoTHERM expo und congress in Offenburg vorgestellt.
- Die Energiepartnerschaft wird an der Intersolar Europa teilnehmen, die vom 23. bis zum 25. Juni stattfindet, und gemeinsam mit dem Ministerium für Energie und natürliche Ressourcen einen Workshop zu konzentrierter Solarenergie organisieren.
- Dr. Alparslan Bayraktar, Minister für Energie und natürliche Ressourcen der Republik Türkei, und Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, sowie weitere hochrangige Vertreter*innen werden am 19. Juni 2026 am siebten Deutsch-Türkischen Energieforum teilnehmen.