Seit 2019
Schaffung eines regionalen Energie-Drehkreuzes: Energiesicherheit und Systemresilienz
- Die Energiepartnerschaft vertiefte die Zusammenarbeit im Bereich der Stabilität und des Betriebs von Energiesystemen mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien und unterstützte Jordanien bei seinem Ziel, sich zu einem regionalen Energie-Drehkreuz zu entwickeln.
- Sie hatte maßgeblichen Einfluss auf die Verbesserung der Energieeffizienz und leistete Beiträge zur regulatorischen Reform, zur Governance der Energieeffizienz, zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplans für Energieeffizienz und zur Entwicklung des Marktes für Energiedienstleister (ESCO-Markt).
- Die Partnerschaft hat den nationalen Fahrplan für einen kohlenstoffarmen, resilienten und energieeffizienten Gebäude- und Bausektor initiiert und auf den Weg gebracht und damit für ein koordiniertes, sektorübergreifendes Vorgehen gesorgt.
- Sie förderte die Energiewende in Jordanien, indem sie mit einer Reihe jordanischer Stakeholder der Branche sowie einschlägigen deutschen Technologieanbietern zusammenarbeitete.
Energiesicherheit
Dekarbonisierung
Außenwirtschaftsförderung
Main Text Governance der Energieeffizienz, kohlenstoffarmer Gebäudesektor und Stakeholder-Dialog
Jordanien deckt mehr als 80 Prozent seines Energiebedarfs mit Einfuhren. Daher ist es bestrebt, seine starke Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen zu verringern. Die Deutsch-Jordanische Energiepartnerschaft unterstützte das Land bei der Bewältigung dieser zentralen Herausforderung. Im Jahr 2025 lag der Schwerpunkt auf zwei komplementären Arbeitsbereichen:
Zum einen wurde die Zusammenarbeit mit der Direktion für Energieeffizienz, die 2024 im Ministerium für Energie und Bodenschätze des Haschemitischen Königreichs Jordanien eingerichtet wurde, im Jahr 2025 weiter intensiviert. Die Energiepartnerschaft erarbeitete eine Multi-Level-Governance-Struktur im Bereich der Energieeffizienz, einen strukturierten Entwicklungsplan sowie ein Konzept für die Überwachung der künftigen Nationalen Aktionspläne für Energieeffizienz (National Energy Efficiency Action Plans, NEEAP). Darüber hinaus organisierte sie einen fachlichen Austausch über Energieleistungsverträge und die Märkte für Energiedienstleister.
Zum anderen konzentrierte sich die Partnerschaft auf die Senkung des Energiebedarfs in Jordaniens Gebäude- und Bausektor, auf den etwa 40 Prozent des jordanischen Endenergieverbrauchs, etwa 60 Prozent des Stromverbrauchs und annähernd 30 Prozent der Treibhausgasemissionen entfallen. Mit der Initiierung des nationalen Fahrplans für kohlenstoffarme, effiziente und resiliente Gebäude brachte die Partnerschaft maßgebliche Stakeholder zusammen und erarbeitete Empfehlungen für die Verbesserung des Energiedatenmanagements.
Systemstabilität, Cybersicherheit und regionale Vernetzung stärken
Die Energiepartnerschaft stärkte die Stabilität des jordanischen Energiesystems, die Cybersicherheit und die regionale Vernetzung. Eine Delegation des nationalen Stromversorgers Jordaniens (Jordan National Electric Power Company, NEPCO) nahm in Berlin an einer Fachschulung zu den Themen Netzwiederaufbau, Betriebsplanung, grenzübergreifende Vernetzung und Integration erneuerbarer Energien teil. Darüber hinaus wurde eine Vor-Ort-Schulung zur Cybersicherheit von Übertragungssystemen durchgeführt, um die Resilienz gegenüber den zunehmenden digitalen Risiken zu verbessern.
Sichere Wasserversorgung und grüner Wasserstoff
Die Energiepartnerschaft unterstützte die industrielle Entwicklung Jordaniens und leistete zugleich einen Beitrag zum Schutz der Wasserressourcen. Um nachhaltige Lösungen auszuloten, wurde ein hochrangiges Rundtischgespräch organisiert, an dem deutsche Technologieanbieter und Wissenschaftler*innen teilnahmen und über die Meerwasserentsalzung und ihr Potenzial für die Produktion von kohlenstoffarmem Wasserstoff diskutierten.
Innovation, Start-ups und Inklusion
Die Energiepartnerschaft unterstützte das jordanische Start-up-Ökosystem, indem sie am SET Tech Festival und an Digital Start-up Days teilnahm. Darüber hinaus setzte sich die Taskforce Gleichberechtigung der Geschlechter für die Förderung der Beteiligung von Frauen und jungen Menschen ein. Das Ziel der Partnerschaft war es, resiliente, energieeffiziente Märkte aufzubauen, die Zusammenarbeit zu intensivieren und damit eine branchenweite Wirkung zu erzielen.
- NEEAP – Nationaler Aktionsplan für Energieeffizienz (National Energy Efficiency Action Plan)
- EPC – Vergabe von Energieleistungsverträgen (Energy Performance Contracting)
- ESCO – Energiedienstleister (Energy Service Company)
- TSO – Übertragungsnetzbetreiber (Transmission System Operator)
- MEMR – Ministerium für Energie und Bodenschätze des Haschemitischen Königreichs Jordanien (Ministry of Energy and Mineral Resources of Hashemite Kingdom of Jordan)
- NEPCO – Nationaler Stromversorger Jordaniens (Jordan National Electric Power Company)
Die Energiepartnerschaft bietet mehr als eine Möglichkeit für den Austausch
Ing. Amani Mohammed Hassan Al-Azzam, Generalsekretärin des Ministeriums für Energie und Bodenschätze des Haschemitischen Königreichs Jordanien, erläutert, warum die Energiepartnerschaft für Jordaniens Stakeholder wichtig ist.
Auf einen Blick
1. Was haben die Partnerschaftsaktivitäten konkret bewirkt?
- Durch die Fortführung des Austauschs innerhalb des etablierten Dialogformats für den Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland, die Schulung von Expert*innen des nationalen Stromversorgers Jordaniens zu den Themen Netzwiederaufbau, Betriebsplanung, grenzübergreifende Vernetzung und Integration erneuerbarer Energien wurde große Wirkung erzielt. Es wurden neue Technologien – beispielsweise netzbildende Wechselrichter – gefördert und operative Ansätze für die Integration stabilisierender Systemfunktionen erörtert, die für die Steigerung der Anteile erneuerbarer Energien und die Steuerung von Investitionen von maßgeblicher Bedeutung sind.
- Energiepolitik: Initiierung des jordanischen nationalen Fahrplans für Gebäude und Bau unter Einbeziehung der maßgeblichen Ministerien und Stakeholder. Der Fahrplan wird die Koordination der Stakeholder verbessern, zur Senkung des hohen Anteils der Branche am Energieverbrauch beitragen, als zentrales Instrument für die Realisierung der jordanischen Energieziele dienen und Investitionen mobilisieren. Ab Ende 2026 wird er offiziell eingeführt.
- Große Wirkung auf institutioneller Ebene: Die Zusammenarbeit mit einer neuen Organisationseinheit für Energieeffizienz innerhalb des Ministeriums für Energie und Bodenschätze des Haschemitischen Königreichs Jordanien, die 2024 mit beratender Unterstützung der Energiepartnerschaft eingerichtet wurde, wurde vertieft.
- Große Wirkung auf Regulierungsebene: Neben einer Reihe hochrangiger Gespräche wurde der Stakeholder-Dialog über die künftige Multi-Level-Governance-Struktur für Energieeffizienz in Jordanien erarbeitet, vorgestellt und gefördert. Diese Struktur wird im Rahmen der geplanten Überarbeitung der Rechtsvorschriften zur Energieeffizienz gesetzlich verankert und die erfolgreiche Durchführung der Politik zur Förderung der Energieeffizienz sicherstellen.
- Ein strukturierter Plan für die Ausarbeitung künftiger Nationaler Aktionspläne für Energieeffizienz sowie ein Überwachungskonzept wurden gemeinsam erarbeitet. Damit wird der Aufbau eines Marktes für energieeffiziente Lösungen unterstützt, der mit den im aktuellen Nationalen Aktionsplan für Energieeffizienz festgelegten Zielen und Maßnahmen für Energieeinsparungen in Einklang steht.
Außenwirtschaftsförderung: Es wurde ein zweites Unterstützungsformat geschaffen – ein neues Format für Rundtischgespräche mit deutschen Unternehmen, jordanischen Ministerien und Stakeholdern der Branche für den Austausch über Themen, die für den Energiesektor von strategischem Interesse sind. Im Jahr 2025 lag der Fokus auf der Meerwasserentsalzung und der Produktion von grünem Wasserstoff. Dabei wurden führende deutsche Technologieanbieter eingebunden.
2. Welche Themenbereiche waren besonders relevant?
Die Energiepartnerschaft war im gesamten Bereich der jordanischen Energiewende aktiv. Zu den zentralen Schwerpunktbereichen zählten die Verbesserung der Energiesicherheit, die Senkung des Energieverbrauchs der nationalen Wirtschaft, die Steigerung der Energieeffizienz und die Förderung der regionalen Vernetzung.
- Jordanien beabsichtigt, sein Ziel für den Anteil erneuerbarer Energien bis 2033 auf 50 Prozent anzuheben, wobei es das optimistische Szenario seiner neuen Energiestrategie zugrunde legt. Im Jahr 2026 wird der Anteil erneuerbarer Energien bei 27 Prozent liegen, und der Energiebedarf steigt – angesichts dessen wird es nun von entscheidender Bedeutung sein, das Netz zu stärken und die Systemstabilität sicherzustellen. Dies ist eine unabdingbare Voraussetzung dafür, dass Jordanien sein Ziel erreicht, sich dank seiner geografischen Position und seines Stellenwerts in der Infrastruktur, einschließlich seiner Schlüsselrolle im Wirtschaftskorridor Indien-Nahost-Europa, zu einem regionalen Energie-Drehkreuz zu entwickeln. Der Dialog zwischen der Energiepartnerschaft und dem Übertragungsnetzbetreiber trug zu diesem Ziel bei, indem er die Systemstabilität und die regionale Vernetzung verbesserte und sich auf deutsche Expertise stützte, um ein resilientes Energiesystem mit einem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien auszubauen. Im Rahmen des neuen Formats für Rundtischgespräche mit der deutschen Industrie beschäftigte sie sich intensiv mit Fragen der Entwicklung von Jordaniens Wasserstoffwirtschaft.
- Die zunehmende Digitalisierung des Energiesektors geht mit steigenden Cyberrisiken einher. Daher förderte die Energiepartnerschaft den Austausch über Standards und Vorschriften, um die nationale Cybersicherheit zu verbessern, die kritische Infrastruktur zu schützen und die Einführung deutscher Technologie zu ermöglichen.
- Der Dialog über die Meerwasserentsalzung und die Produktion von grünem Wasserstoff trug weiter zu Jordaniens Potenzial für grünen Wasserstoff (GH2) bei und beschleunigte die Realisierung seiner regionalen Energieziele.
- Energieeffizienz ist für die Energiesicherheit unverzichtbar. Jordanien führt mehr als 80 Prozent seiner Energie ein, wobei auf den Wohnungssektor mehr als 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs und 60 Prozent des Stromverbrauchs entfallen. Die Energiepartnerschaft unterstützte den Kapazitätsaufbau und war bei der Gesetzgebung und der Durchführung beratend tätig, unter anderem im Hinblick auf die Instrumente zur Vergabe von Energieleistungsverträgen, die Zertifizierung von Energiedienstleistern, die Überwachung des Nationalen Aktionsplans für Energieeffizienz und der sektoralen Fahrpläne, die Senkung der Energieeinfuhren, den Aufbau von Märkten und die Förderung der Dekarbonisierung.
- Die technologische Zusammenarbeit, die Stärkung der Regulierung und die Marktentwicklung brachten die Modernisierung Jordaniens voran und trugen zur nachhaltigen Energiezukunft des Landes bei.
3. Was waren die größten Herausforderungen bei der Umsetzung der Aktivitäten und wie wurden sie gelöst?
Es wurden keine größeren Herausforderungen festgestellt.
4. Wie haben die Aktivitäten auf die übergreifenden Zielen – Energiesicherheit, Dekarbonisierung und Außenhandelsförderung – eingezahlt?
- Die Aktivität stärkte unmittelbar die Energiesicherheit, indem sie es Expert*innen des nationalen Stromversorgers ermöglichte, am praktischen Austausch mit der 50Hertz Transmission GmbH, der Deutschen Energie-Agentur und Elia Grid International teilzunehmen. Im Rahmen von Praxisschulungen im GridLab vertieften die Teilnehmenden ihre Kompetenzen in den Bereichen Fehlerisolierung und Frequenzregelung, Unterstützung der Integration erneuerbarer Energien, Netzstabilität, Dekarbonisierung und bilaterale Energiezusammenarbeit.
- Die Energiepartnerschaft entwickelte eine nationale Governance-Struktur für Energieeffizienz, die bei der Konzeption, Durchführung und strategischen Ausrichtung der politischen Maßnahmen Jordaniens im Bereich der Energieeffizienz herangezogen wird. Am Workshop über politische Maßnahmen zur Förderung der Energieeffizienz und Governance nahmen mehr als 60 Vertreter*innen von Stakeholdern teil und beschäftigten sich mit den aktuellen Herausforderungen, der Überwachung und der sektoralen Koordination. Eine eindeutige Rollenverteilung, ein klar umrissener Governance-Rahmen und die anstehenden Gesetzesänderungen werden die Durchführung der Politik und die Maßnahmen zur Förderung der Effizienz verbessern und die Realisierung landesweiter Energieeinsparungen beschleunigen.
- Der hohe Energieverbrauch Jordaniens muss unbedingt gesenkt werden – auf den Wohnungssektor entfallen etwa 60 Prozent des Stromverbrauchs und 40 Prozent des Gesamtenergiebedarfs. Um den Energieverbrauch zu senken und die Energiesicherheit zu verbessern, brachte die Energiepartnerschaft die Erarbeitung eines nationalen Fahrplans für einen kohlenstoffarmen, energieeffizienten und resilienten Gebäude- und Bausektor auf den Weg, in den zahlreiche Stakeholder eingebunden sind. Der Schwerpunkt des nächsten Etappenziels lag auf den Herausforderungen und Chancen: Es wurden konkrete sektorübergreifende Maßnahmen ermittelt, um den Energiebedarf zu senken, die Effizienz zu steigern, die Dekarbonisierung zu unterstützen und die Energiesicherheit zu stärken.
- Die Cybersicherheit verbessern: Der Wissensaustausch über Standards und Vorschriften stärkte die nationale Cyberresilienz Jordaniens, indem er die Verbesserung des Schutzes der kritischen Infrastruktur ermöglichte. Ferner trug er dazu bei, dass im Bereich der Stromübertragung und ‑verteilung deutsche Technologien eingeführt wurden.
5. Welche Aktivitäten sind für 2026 geplant?
- Das Dialogformat für den Übertragungsnetzbetreiber wird unter Einbeziehung deutscher Technologieanbieter fortgeführt und unterschiedliche Aspekte der Systemstabilität zum Gegenstand haben, darunter auch Stromnetzkodizes und die grenzübergreifende Vernetzung.
- Resilienz der Energieversorgung: Rundtischgespräch mit einem deutschen Technologieanbieter und zuständigen Behörden über den Schutz kritischer Infrastrukturen
- Initiierung der Erarbeitung des nationalen Fahrplans für Gebäude und Bau in Jordanien
- Förderung des Modells der Vergabe von Energieleistungsverträgen
- Fortführung des fachlichen Austauschs über die Weiterentwicklung des Rahmens für Energiedienstleister (mehrere Aktivitäten)
- Entwicklung des ausführlichen Konzepts für die nationale Plattform zur Überwachung der Energieeffizienz in Jordanien